Kwan Sai Fung
Großmeister
Dr. Laszlo Banhegyi

Der heute 81-jährige Dr. Laszlo Banhegyi erzielte bereits vor
seiner Kung-Fu Laufbahn zahlreiche sportliche Erfolge. Zwischen
1949 und 1960 spielte er 200mal in der ungarischen Basketball-National-mannschaft,
die 1955 Europameister wurde; und er war Mitglied des mehrfachen
ungarischen Meisters Honved Budapest. Er nahm zweimal an Olympischen
Spielen teil, 1952 in Helsinki und 1960 in Rom. Nach der Olympiade
in Rom beendete er seine Profi-Basketball-Karriere und zog nach
London. Als Ausgleich zu seinem Beruf spielte er dort aber weiterhin
Basketball und gewann mit dem YMCA-Team dreimal hintereinander die
Premier League und den englischen Cup. In den 60er-Jahren errang
YMCA einen glorreichen Sieg gegen die Profi-National-mannschaft
der USA - was in der englischen Sportgeschichte einmalig war. Um
diese Zeit hatte sich Laszlo Banhegyi neben seiner Basketball-Karriere
aber bereits dem Kung-Fu verschrieben.
Seine ersten Kontakte mit Kung-Fu
hatte Banhegyi bereits während seiner Basketballzeit in den
50er-Jahren, als er bei internationalen Wettkämpfen des öfteren
chinesische Basketballspieler traf - unter ihnen zwei Schüler
von Sun Tsun Chou, dem Sohn von Sun Lu Tang, einem Meister der Kung-Fu-Kampfkunst.
Diese zwei Basketballspieler und Kung-Fu-Schüler weihten ihn
in die Grundlagen des Kung-Fu ein - jedoch nur unter der Bedingung,
dass er sein Wissen für sich behalte. Zu dieser Zeit war Kung-Fu
in der westlichen Welt praktisch noch unbekannt.
1959 bot sich Dr. Laszlo Banhegyi
im Rahmen eines ungarischen Basketball-Nationalspieles in China
die Gelegenheit, Sun Tsun Chou und auch einen Freund von dessen
Vater, Kwan Sai Hung, persönlich kennen zu lernen. Er wurde
Schüler von Kwan, der außer ihn keinen anderen Schüler
unterrichtete.
Kwan Sai Hung war seit seinem neuntem
Lebensjahr Schüler im taoistischen Huashan Kloster gewesen
und hatte sein ganzes Leben dem Taoismus gewidmet. Er war Meister
in mehreren taoistischen Shaolin Kung-Fu Stilen, wie Hsing-I, Pa-Kua,
Affe, Adler, Kranich, Schlange, Tiger, Kwong (Flat Plate Mantis).
Dr. Banhegyi lernte von Sun Tsun Chou die Hsing-I Atemtechniken,
von Kwan Sai Hung die Pa-Kua- und Hsing-I-Stile und die spezielle
taoistische Atemtechnik Tao-Yin. Als Ausdruck der tiefen persönlichen
Freundschaft verlieh ihm Sun den chinesischen Namen Sun Tsun Fung,
Kwan nannte ihn Kwan Sai Fung, weil er sich sowohl beim Basketball
als auch im Kung-Fu wie der Phönix bewegte.
Mitte der 60er Jahre wurde Dr. Laszlo
Banhegyi von Meister Kwan zum Großmeister des Südlichen
Kwong-Mantis-Stils (Gottesanbeterin) ernannt, der diesen Stil bis
dahin traditionsgemäß nur seinen Familienmitgliedern
gelehrt hatte.
In den 70er Jahre lernte Banhegyi
weiter bei Ip Chee Keung, Sohn von Großmeister Ip Shui, und
kurz danach bei Großmeister Ip Shui selbst. Dank seiner bereits
überragenden Kung-Fu-Kenntnisse und -Erfahrungen konnte er
sich auch diesen Stil sehr schnell zu eigen machen. 1975, kurz bevor
Banhegyi wieder von England nach Ungarn zurückkehrte, nahm
ihn Großmeister Ip Shui in seine eigene Familie auf. Im festlichen
Rahmen vor seinem Sohn David, seiner Frau und hochrangigen Gästen
wurde Banhegyi zum Paten der Ip-Familie und gleichzeitig Erbe und
Großmeister des Chow Family Southern Tong Long Kung-Fu-Stils
(Gottesanbeterin) ernannt.
Nach Ungarn zurückgekehrt,
konnte Laszlo Banhegyi aufgrund der damaligen angespannten politischen
Situation in Ungarn vier Jahre lang keinen Kontakt zur Familie von
Ip Shui herstellen, die deshalb annahm, dass er verstorben sei.
Also ernannte Ip Shui seinen Sohn David ebenfalls in der fünften
Generation zum Großmeister. Dadurch entstand die Situation,
dass es in diesem Stil zwei Großmeister gibt, was im Kung-Fu
zwar selten vorkommt, aber nicht unmöglich ist.
Ende der 70er-Jahre beschloss Laszlo
Banhegyi, in Ungarn Kung-Fu zu lehren und begann eine Sonderpolizeieinheit
zu trainieren. Er gründete die erste ungarische Kung-Fu-Schule,
in der er Chow Family Mantis Kung-Fu (Mantis = Tong Long = Gottesanbeterin)
unterrichtete und populär machte. Zusätzlich gründete
er eine zweite Schule, in welcher der "Nördliche Gottesanbeterin-Stil"
(Biang) unterrichtet wurde; sie wurde von Meister Richard Tix, einem
von ihm ausgebildeten Sifu, geleitet.
Die Chow Family Tong Long Kung-Fu-Schule
entwickelte sich hervorragend und nahm mehrere andere Kung-Fu-Schulen
anderer Stile innerhalb des eigenen Vereins unter ihre Fittiche.
Die Anzahl der Mitglieder wuchs auf mittlerweile beachtliche 1500.
1990 gründete Laszlo Banhegyi den ersten ungarischen Kung-Fu-Verband,
dessen Präsident er wurde. Sein erklärtes Ziel war, die
weitere Verbreitung des Kung-Fu. Er überantwortete die Stile,
die zu seinem Verein gehörten, ausgebildeten Meistern, die
ihre Lehrtätigkeit auch in eigenen Vereinen weiterführten.
Es folgte die Gründung des
ungarischen Kung-Fu-Fachverbandes (1998), dessen Präsident
Dr. Laszlo Banhegyi bis Mitte 2005 war. Er ist nach seiner Zurücklegung
unmittelbar als ehrenamtlicher Präsident des ungarischen Kung-Fu-Fachverbandes
auf Lebenszeit gewählt worden.